Valerie Holsboer

Ehemaliges Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit

„In Deutschland steigt der Fachkräftebedarf in den MINT-Berufen auf allen Qualifikationsebenen. Dieser Befund erhöht die Notwendigkeit einer praxisnahen und zukunftsorientierten Berufsberatung. Der TouchTomorrow-Truck der Dr. Hans Riegel-Stiftung ist dafür ein besonders gelungenes Beispiel und wird deshalb von mehreren Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit (BA) gefördert. Am Johanneum Gymnasium in Herborn habe ich mir selbst einen Eindruck verschafft, wie der Truck bei den jungen Menschen eingesetzt wird und welche Wirkung er erzielt.

Zwei Aspekte sind mir dabei besonders positiv aufgefallen. Erstens: Die zielgruppengerechte Ansprache. Ich konnte sehen, wie wichtig es ist, einen emotionalen Bezug zu schaffen. Nur so kann der Funke von Interesse bzw. Begeisterung überspringen. Die Inhalte im TouchTomorrow-Truck bleiben nicht abstrakt, sondern knüpfen an die Lebenswelt der Jugendlichen an. Sie greifen positive gesellschaftliche und wirtschaftliche Fortschritte auf, die ohne MINT nicht denkbar wären. Etwa ressourcenschonende und dennoch hochleistungsfähige OLED-Displays oder mordernste Prothesentechnik, die es Menschen mit Behinderungen erlaubt, durch „Gedankenkraft“ ein Stück Bewegungsfreiheit und Selbstständigkeit zurückzuerlangen. Hinzu kommt, dass die Themenstationen nicht nur passiv angeschaut, sondern aktiv ausprobiert werden können. Ich glaube, dass dieser sinnstiftend-motivatorische Aspekt insbesondere bei der Gewinnung von weiblichem MINT-Nachwuchs eine große Rolle spielt. Dafür haben wir als BA eine umfassende MINT-Initiative gestartet. Der Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter Frauen in MINT-Berufen ist jedoch weiterhin sehr gering. Dabei sind junge Mädchen für diese Berufsfelder unverzichtbare Fachkräfte von morgen. Und Frauen können in MINT-Berufen nur gewinnen: Die Beschäftigungsverhältnisse sind vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Automatisierung zukunftssicher, es gibt über-durchschnittliche Verdienstmöglichkeiten und die Karrierechancen sind gut.

Das führt mich zum zweiten Aspekt, der mir besonders gefallen hat: An Bord des Trucks sind mindestens drei weibliche MINT-Coaches – allesamt junge, pädagogisch geschulte Naturwissenschaftlerinnen. Das sind lebendige, echte Beispiele für erfolgreiche Frauen in spannenden Berufsfelder. Durch ihren authentischen und frischen Auftritt, schaffen sie es mit den Jugendlichen einen Dialog auf Augenhöhe zu führen. Für mich ist entscheidend, dass Jugendliche einen für sie passenden Beruf finden, ohne sich von traditionellen Rollenvorstellungen für Frauen und Männer leiten zu lassen. Es geht nicht darum, jemanden in einen Beruf hineinzuzwängen, den er oder sie nicht möchte. Es geht darum, den Fächer an Möglichkeiten aufzuspannen und zu zeigen, damit eine echte, vorurteils- und klischeefreie Entscheidung getroffen werden kann.

Beide Aspekte sorgen gemeinsam für eine ausgezeichnete Stimmung im Truck. Daran können unsere lokalen Beraterinnen und Berater sofort vor Ort, direkt im Truck anknüpfen und in eine professionelle Berufsberatung überleiten – völlig ohne zeitlichen und/oder medialen Bruch.

Ich freue mich über die Zusammenarbeit mit der Dr. Hans Riegel-Stiftung im Rahmen des TouchTomorrow-Trucks und bin gespannt, wie sich diese Idee weiterentwickelt. Wir arbeiten Hand in Hand, um Jugendlichen ideale Berufsorientierung zu bieten und gleichzeitig dem wachsenden MINT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“